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Von einer Zwangsstörung Betroffene leiden unter Zwangsgedanken und/oder unter Zwangshandlungen. Hierbei lösen die Zwangsgedanken (oder Zwangsbefürchtungen) Ängste und Anspannung aus, die die Betroffenen dann über Zwangshandlungen (z.B. kontrollieren oder putzen) wieder zu neutralisieren versuchen. Häufige Zwangshandlungen sind:
- Zwangshandlungen, die sich auf eine extreme Reinlichkeit beziehen (wie Händewaschen, Duschen, Putzen)
- Übertriebene Ordnung
- Wiederhol- und Zählzwänge
- Sammelzwänge
- Übertriebene mehrfache Kontrolle, um eine vermeintliche Gefahrensituation zu vermeiden (ist die Tür auch wirklich abgeschlossen? Habe ich die Kaffeemaschine tatsächlich ausgeschaltet?)
Durch die wiederkehrenden Befürchtungen und den Versuch, diese über Rückversicherung zu kontrollieren, geraten die Betroffenen zumeist in einen Strudel ständigen Grübelns.
Vom Erscheinungsbild her gibt es dann eine große Ähnlichkeit zwischen den Zwangsgedanken und dem bei Depressionen häufig auftauchenden Grübeln. Die Vermutung liegt nahe, dass Zwangsgedanken und depressives Grübeln in der Praxis häufig verwechselt werden können.
Depression und Zwänge können sich gegenseitig bedingen. Menschen reagieren oft auf die durch die Zwangserkrankung verursachte Scham und Behinderung im Alltag mit Niedergeschlagenheit. Isolation, Verlust des Arbeitsplatzes und Spannungen in zwischenmenschlichen Beziehungen treten häufig in diesem Zusammenhang auf und lassen bei dem Betroffenen ein Gefühl von Hilflosigkeit entstehen. Umgekehrt wird von Betroffenen auch über eine Zunahme der Zwänge in Situationen besonderer Belastung, Hilflosigkeit, Überforderung und Niedergeschlagenheit berichtet. Das heißt, es kommt ein Teufelskreis in Gang: Die Depressionen wirken verstärkend auf die Zwänge und häufig auch umgekehrt. Insgesamt kann gesagt werden, dass bis zu 70% aller Menschen die unter Zwängen leiden, irgendwann auch an einer Depression erkranken werden
Wegen des häufig gemeinsamen Auftretens von Zwängen und Depressionen finden bestimmte Medikamente, die bei der Behandlung der Zwangserkrankung verschrieben werden, auch Einsatz bei der Behandlung von Depressionen. Leider wird daraus manchmal der falsche Schluss gezogen, daß die Behandlung einer Zwangserkrankung nach den gleichen Regeln erfolgen muss wie die Behandlung einer Depression. Eine Therapie, die nur Depressionen berücksichtigt, läuft meist völlig ins Leere. Vielmehr muss bei Zwangsstörungen versucht werden, die Befürchtungen im Rahmen eines Konfrontationstrainings zu bewältigen.
Hilfe für Betroffene und deren Angehörige findet man z.B. bei
Telefon: 040 / 689 13 700
Allgemeine Sprechzeit: Montag bis Freitag von 10:00 bis 12:00 Uhr
Quellenangaben:
Reinecker, H.S., „ Zwänge: Diagnose, Therapie und Behandlung“ – Hans Huber Verlag
Burkhard Ciupka, „ Zwänge- Hilfe für ein oft verheimlichtes Leiden“ –Walter Verlag