• Home
  • Hausärzteverband Niedersachsen wendet sich gegen die DDL-Plakataktion

Hausärzteverband Niedersachsen wendet sich gegen die DDL-Plakataktion

Zitat: "Besonders negativ zeichnet sich die Krankenkasse x aus meiner Praxiserfahrung wiederholt dadurch aus, dass sie im Zusammenhang mit von Hausärzten wegen depressiver Erkrankungen ausgestellter Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen häufig bereits bei der ersten Bescheinigung die Patienten anruft und diesen suggeriert, dass sie sich doch besser in eine andere psychotherapeutische Behandlung als beim Hausarzt begeben sollten."

Wir fragen uns dabei, wo da das Verwerfliche an diesem Verhalten zu sehen ist. Hausärzte sind nur selten psychotherapeutisch ausgebildet und alle Zahlen weisen darauf hin, dass Depressionen von Hausärzten noch immer zu selten erkannt werden. Zweifel daran, ob sie stets die optimale Behandlung bieten können, sind also durchaus gerechtfertigt. Auch wenn wir verstehen, dass ein Hausärzteverband natürlich die Fähigkeiten der Hausärzte hochhält, geht uns als Patientenvertreter das Wohl der Patienten vor. Empfindlichkeiten wie diese sind hier eindeutig fehl am Platze. Bei einer anspruchsvollen Operation würde man ja auch verstehen, dass diese nicht vom Hausarzt vorgenommen wird, sondern dass ein Facharzt hierzu besser geeignet ist.

Dennoch sind wir klar der Auffassung, dass der Hausarzt eine wichtige Instanz bei der Behandlung von Depressionen ist, denn der überwiegende Teil der Betroffenen befindet sich bei ihm in Behandlung (wegen jeglichen gesundheitlichen Störungen) und genau diese Tatsache ist der Anlass für unsere Plakatkampagne. Denn die zielt darauf ab, dass ein depressiv Erkrankter überhaupt erst einmal in Behandlung kommt, dass er sich dem Hausarzt anvertraut und überhaupt in Erwägung zieht, psychisch erkrankt zu sein. Dass im Wartezimmer eines Hausarztes ein entsprechendes Plakat ausgehängt ist, signalisiert die generelle Zuständigkeit des Hausarztes und stärkt dessen Kompetenz - die ja durchaus auch darin bestehen kann, an den Facharzt weiterzuvermitteln oder in leichteren Fällen andere Maßnahmen zu ergreifen.

Diese Auffassung teilten wir dem Hausärzteverband detailliert mit und erhielten wiederum eine Abfuhr.

Nein, sagte man uns, wenn die Krankenkassse x dahinter steckt, wollen wir nichts damit zu tun haben. Was hat nun die Krankenkasse x damit zu tun? Sie gab Geld im Rahmen der Selbsthilfeförderung nach § 20c SGB V, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie befand, das sei ein sinnvolles Projekt, das helfen wird, die Stigmatisierung der Depression abzubauen und Betroffene in Behandlung zu bringen. Und so ist es auch. Dass der Hausärzteverband Niedersachsen es wichtiger findet, dass bloß die .... keinen Imagegewinn haben dürfe, ist kein gutes Zeichen. Hier zeigt sich ein Denken verkrusteter Positionen, das nicht das Wohl von Patienten im Auge hat, welchem Ärzte allerdings verpflichtet sind.

Eine andere Tatsache macht diese Reaktion noch verwunderlicher: Über 4000 Ärzte haben uns bereits geantwortet und haben sich an der Aktion beteiligt - das ist ein Rücklauf von um die 8%. Für eine Massenaussendung eine sensationell hohe Quote! 1-2% sind üblich. Offensichtlich denken also die vom Hausärzteverband vertretenen Ärzte anders, wofür wir uns bei ihnen ganz herzlich bedanken, denn das stimmt uns zuversichtlich.

Zurück