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Wanderausstellung: Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus

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Die späte Erinnerung an die Opfer der Euthanasie

Gedanken zu der Ausstellung „Erfasst, verfolgt, vernichtet – Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“ der DGPPN in Kooperation mit den Stiftungen „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ und Topographie des Terrors“

Wir waren als Vorstand der DDL eingeladen, an der Eröffnung dieser Wanderausstellung im Paul-Löbe-Haus in Berlin teilzunehmen. Im Fokus der Ausstellung steht die Frage nach dem Wert des Menschen. Sehr anschaulich wird der Weg von der anfänglichen Ausgrenzung von Menschen, die nicht den willkürlich vorgegebenen Normen entsprachen, bis hin zur Massenvernichtung des sogenannten „unwerten Lebens“ dargestellt. Die Ausstellung nennt Opfer bei ihrem Namen, gibt ihnen ein Gesicht und damit auch einen Teil ihrer Würde zurück. Und sie benennt die gnadenlosen Täter, die Biedermänner und –frauen, die entsprechend des Ermächtigungsschreibens Hitlers vom  01.09.39 willige Vollstrecker waren.

»Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, daß nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.«

Beim Betrachten der Ausstellungstafeln wird immer deutlicher, wer eigentlich die „verrückten Psychopathen“ waren.

Ein Teil dieser Täter wurde nach dem Krieg zur Rechenschaft gezogen. Es wird aber auch deutlich und bleibt  heute noch unfassbar, dass zu viele dieser Täter nach dem Ende des Schreckens unbehelligt wieder zu Amt und Würden gelangten. Sie hatten Lehrstühle für Psychiatrie inne wie Dr. Friedrich Panse oder wurden zum Ordinarius an der Universitätsnervenklinik Münster berufen wie  Dr. Friedrich Mauz. Beide waren in der Zeit des Nationalsozialismus als sogenannte T4-Gutachter an der Selektion von psychisch kranken und behinderten Menschen beteiligt.

 „Nach 1945 stilisierte sich Mauz zu einem unpolitischen Menschen: Er habe der Machtübernahme der Nationalsozialisten „hilflos und naiv“ gegenübergestanden, den neuen Staat innerlich abgelehnt, sich aber „zu allerlei demütigenden Zugeständnissen“ bereit gefunden.“

Sie starben als hoch angesehene Bürger, erst im Jahr 2011 wurde Ihnen von der DGPPN ihre Ehrenmitgliedschaft aberkannt.*

Umso mehr ist anzuerkennen, dass sich die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) der schwärzesten Zeit der Psychiatrie angenommen und diese Ausstellung initiiert hat.

Weitere Informationen:

www.dgppn.de/ausstellung

www.bundestag.de/kulturundgeschichte/ausstellungen/parl_hist/erfasst_verfolgt_vernichtet/

*http://www.dgppn.de/fileadmin/user_upload/_medien/dokumente/mitgliederversammlungen/mv2011/2011-11-24-beschluss-ehrenmitgliedschaften.pdf

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