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Es gibt viele unterschiedliche Verfahren der Psychotherapie. Die geläufigsten, die auch von den Krankenkassen anerkannt sind, sind die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.
Bei depressiven Erkrankungen werden im Allgemeinen zunächst verhaltenstherapeutische Verfahren empfohlen, da es hierzu die meisten Studien zur Wirksamkeit gibt. In einer Verhaltenstherapie liegt der Fokus vor allem auf den aktuellen Problemen eines Patienten. Neben dem reinen Gespräch gibt es auch konkrete Übungen, die der Patient dann auch zu Hause selbstständig anwenden kann. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Entspannungsverfahren, Konfrontationsverfahren, Rollenspiele, etc. Die grundlegende Theorie ist, dass sich psychisches Erleben durch Verhaltensänderungen beeinflussen lässt. Bei dieser Therapieform sitzen sich Therapeut und Patient im Gespräch meist gegenüber. Eine Verhaltenstherapie umfasst in der Regel 25 bis 45 Stunden und findet meistens ein bis zwei Mal wöchentlich statt. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden in begründeten Fällen bis zu 80 Stunden erstattet.
Eines der ältesten Pychotherapieverfahren ist die Psychoanalyse, die auf ihren Begründer Sigmund Freud zurückgeht. Die grundlegende Theorie ist hier, dass die psychische Störung auf unbewusste Konflikte und frühe Beziehungsstörungen zurückzuführen ist. In der Psychoanalyse wird vor allem die Technik des freien Assoziierens verwendet, in dem dann die unbewussten Konflikte und Verbindungen zu frühem Kindheitserleben zum Vorschein kommen. Durch die so genannte Übertragung verhält sich der Patient dem Behandler gegenüber oft unbewusst so, wie er es als Kind auch den Eltern gegenüber getan hat. Der Schlüssel liegt darin, in der heutigen Situation eine andere, heilsame Beziehungserfahrung an der Stelle zu machen und dadurch die Symptomatik deutlich zu verbessern. Alte Beziehungsmuster, die nun nicht mehr funktionell sind, können aufgelöst und verändert werden. Die gegenwärtigen Probleme werden also vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen betrachtet und letztlich durch Re-Inszenierung und daraus folgender neuer Beziehungserfahrung, aufgelöst. Die Psychoanalyse findet meistens im Liegen statt, während der Therapeut für den Patienten unsichtbar am Kopfende sitzt. Sie kann aber auch im Sitzen durchgeführt werden, wobei sich dann Therapeut und Patient gegenüber sitzen. Eine Psychoanalyse umfasst meistens 160 bis 240 Stunden und findet ca. drei Mal wöchentlich statt. Es werden bis zu 300 Stunden von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Die Psychoanalyse ist in ihrer Wirksamkeit bei Depressionen nicht gut belegt, was aber keinesfalls bedeutet, dass dieses Verfahren nicht hilfreich ist. Es gibt viele depressiv Erkrankte, die von einer Psychoanalyse deutlich profitiert haben.
Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie ist von der Psychoanalyse abgeleitet, dauert allerdings wesentlich kürzer. Sie ist mehr auf die Gegenwart fokussiert und bietet weniger Raum für freies Assoziieren. Diese Therapie findet immer im Sitzen statt. Therapeut und Patient sitzen sich gegenüber. Im Regelfall dauert eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie zwischen 50 und 80 Stunden und findet ein bis zwei Mal wöchentlich statt. Es kann auch eine Kurzzeittherapie von 25 Stunden beantragt werden. Möglich sind bis zu 100 Stunden, die von der gesetzlichen Krankenkasse getragen werden.
Neben diesen drei Therapieformen gibt es noch unzählige andere Arten von Therapien, die zum Beispiel in Kliniken auch häufig zum Behandlungskonzept gehören, aber ambulant nicht von den Krankenkassen getragen werden. Dazu gehören zum Beispiel Musik- oder Kunsttherapie, Gestalttherapie oder körpertherapeutische Ansätze.
Eine weitere Therapieform, die vor allem auch in Kliniken ein Baustein der Therapie ist, ist die Ergotherapie. Die Ergotherapie ist allerdings keine Psychotherapie, auch wenn sie Auswirkungen auf das psychische Befinden hat. Im ambulanten Bereich ist die Ergotherapie nicht unbedingt das erste Mittel der Wahl bei Depressionen, kann aber in Einzelfällen eine hilfreiche Unterstützung sein.
Welche Therapieform Sie letztlich wählen, hängt vor allem davon ab, welches Verfahren Sie für sich als stimmig empfinden. Eine sehr grofle Rolle bei der Wirksamkeit von Psychotherapie spielt auch die Beziehung zu Ihrem Therapeuten, die manchmal wichtiger sein kann, als das angewendete Verfahren.
Zuletzt aktualisiert am 18.12.2009 von Thomas Müller-Rörich.