Ist in unserem Gesundheitssystem das Leben eines Depressionserkrankten weniger wert als das Leben eines anderen Kranken?

Pressemitteilung

Ist in unserem Gesundheitssystem das Leben eines Depressionserkrankten weniger wert als das Leben eines anderen Kranken?

Die Deutsche DepressionsLiga e.V. zum Europäischen Depressionstag am 1.Oktober 2016

Schwaikheim – Die Deutsche DepressionsLiga e.V. nimmt den diesjährigen Europäischen Depressionstag am 1. Oktober zum Anlass, folgende Frage zu stellen: „Ist in unserem Ge-sundheitssystem das Leben eines Depressionserkrankten weniger wert als das Leben eines anderen Kranken?“

Vor einigen Wochen nahm ein Pharmaunternehmen in Deutschland ein neues Antidepressivum nach etwas mehr als einem Jahr wieder vom Markt, weil die Krankenkassen dieses Medikament nicht mehr erstatten, da der Gemeinsame Bundesausschuss – GBA befand, dass die täglichen Mehrkosten von etwa einem Euro für dieses Medikament im Vergleich zu anderen zu hoch seien.

Wenn man weiß, dass tägliche Mehrkosten von mehreren Hundert Euro für neue Medikamente z.B. in der Krebstherapie für den GBA kein Hindernis darstellen und somit problemlos von den Krankenkassen erstattet werden, stellen wir uns Fragen. Wir haben den beklemmenden Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn es um die Zulassung von neuen Medikamenten oder das Zurverfügungstellen von Therapieoptionen für schwere körperliche bzw. seelische Erkrankungen geht. Wird nicht verstanden, dass auch ein depressiv Erkrankter um sein Leben kämpft und jede Hilfe für ihn überlebensnotwendig ist?

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wir möchten in keinster Weise den Nutzen neuer Krebsmedikamente anzweifeln und freuen uns für jeden Betroffenen, dem ein neues Medikament hilft und dessen Lebensqualität dadurch verbessert werden kann. Es geht uns auch klar nicht um dieses eine Antidepressivum. Aber wir fordern ausdrücklich, dass auch Menschen, die an Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten leiden, alle möglichen Optionen zur Verfügung stehen. Hier darf nicht zwischen somatischen oder psychischen Erkrankungen unterschieden werden!

Pressemitteilung als PDF

Zurück