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Berichterstattung über den Arzneimittelreport 2012 der Barmer GEK

Frauen erhalten mehr Psychopharmaka als Männer / undifferenzierte Berichterstattung über das Suchtpotential von Psychopharmaka

Aus einer Fülle an differenzierten Informationen, die der Barmer GEK Arzneimittelreport 2012 auf über 200 Seiten enthält, wird zur Zeit in zahlreichen Medien die Information, dass Frauen mehr Psychopharmaka erhalten als Männer, als Schlagzeile generiert. Außerdem werden Antidepressiva und Beruhigungsmittel in einem Atemzug genannt und es wird dazu über deren hohes Abhängigkeitspotential gesprochen.

Antidepressiva haben – im Gegensatz zu vielen Beruhigungsmitteln – kein Suchtpotential. Eine gleichzeitige Nennung dieser beiden Arzneimittelgruppen im Zusammenhang mit Abhängigkeit ist falsch und irreführend, denn sie kann an Depressionen erkrankte Menschen davon abhalten, verschriebene und dringend benötigte Medikamente überhaupt einzunehmen. So werden typische Vorurteile gegenüber der oft hilfreichen oder sogar lebensrettenden Medikation bei psychischen Krankheiten weiter zementiert.

Absetzphänomene, die bei Antidepressiva und hier besonders bei der Gruppe der selektiven Serotoninwiederaufnehmehemmer (SSRI) auftreten können, sind nicht zu verwechseln mit Entzugserscheinungen, welche im Zusammenhang von suchtfördernden Medikamenten oder Substanzen auftreten. Besonders bei plötzlichem oder zu schnellem Absetzen können unter anderem körperliche Missempfindungen oder auch Phänomene wie Wahrnehmungsstörungen und Reizbarkeit auftreten. Ebenso kann dadurch ein Rückfall in eine erneute depressive Episode erfolgen.

Die Hintergründe, warum Frauen mehr Psychopharmaka erhalten als Männer, werden in besagten Artikeln nicht hinreichend erläutert. Zum Beispiel sprechen Frauen eher über psychische Probleme als Männer, offenbaren diese auch schneller einem Arzt gegenüber, die Diagnose einer psychischen Erkrankung wird dadurch erleichtert. Männer haben oft auch andere „Ventile“ für psychische Probleme, z.B. ist der Alkoholmissbrauch hier wesentlich höher als bei Frauen. Dies sind nur einige Ursachen, welche mit erklären können, warum es hier zu unterschiedlichen Zahlen kommt.

Der Report der Barmer GEK legt außerdem die Vermutung nahe, dass es Rollenstereotype beim Verordnungsverhalten der Ärzte gibt. Zitat: „Frauen werden eher mit psychisch bedingten Krankheiten und Belastungen assoziiert, Männer mit somatisch bedingten Erkrankungen.“

Als Beispiel für die irreführende Berichterstattung sei folgender Artikel genannt:

http://www.stern.de/gesundheit/arzneimittelreport-2012-frauen-gleiten-oefter-in-tablettensucht-als-maenner-1846054.html

Hier finden Sie den Arzneimittelreport der Barmer GEK.

 

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