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Stigmatisierende Berichterstattung in der Süddeutschen Zeitung

Liebe Redaktion der Süddeutschen Zeitung,

heute haben Sie uns mit einer Meldung überrascht, die übertitelt war mit: "Depressiver Mann ersticht Ehefrau".

Nun war der Mann aber nicht nur depressiv, er hatte auch erhebliche Existenzängste und fürchtete sich vor Arbeitslosigkeit. Die Überschrift hätte auch lauten können "Verzweifelter Mann ersticht Ehefrau". Oder "Ehefrau aus Angst vor Armut erstochen".

Nun sieht es so aus, als wenn Depressionen die Ursache für die Tat seien und so mancher Leser wird glauben, man müsse sich vor depressiv Erkrankten in acht nehmen, weil die gefährlich seien. Einschlägige Statistiken zeigen aber etwas ganz Anderes: Psychisch kranke Menschen sind überhaupt nicht gewalttätiger als nicht psychisch kranke Menschen. Sie werden aber überdurchschnittlich oft Opfer von Gewalttaten.
 
Psychisch kranke Menschen haben es ohnehin sehr schwer, als Gleiche unter Gleichen behandelt zu werden. Wenn man sie auch noch für gefährlich hält, wird dieses Problem verstärkt. Deshalb war diese Überschrift ein Beitrag zur Stigmatisierung, hat aber dem beschriebenen Sachverhalt nicht gedient, sondern hat nur eine sehr zweifelhafte Vermutung in die Welt gesetzt.

Hoffentlich bereitet das den Ehefrauen depressiver Männer nicht zusätzliche schlaflose Nächte. Denn sie haben deren schon genug aufgrund der Probleme, die diese Krankheit mit sich bringt.

 

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